Tieffliegende Blondinen oder Stänkern über Liebe: Modisches Chaos published by Charly von Feyerabend

Charly von Feyerabend präsentiert zeitgleich 2 neue Bücher und hat passend dazu noch die Website Tieffliegendes Berlin gebastelt.

Ihre Protagonistin Fritzi ist verplant, landet jeden Fettnapfvolltreffer und wirkt auf mich wie ein Gast in ihrer eigenen Realität. Fritzi ist wie Troubadix, ein Schöngeist, der jeden Hieb abschüttelt und die Ursache nicht bei sich, sondern bei anderen sucht. Nur im Gegensatz zu Fritzi ist Troubadix blond und blonde Kreaturen sind für Fritzi das Non-plus-ultra, das personifizierte Übel, ja sogar der Grund ein Hassbuch über Blond zu schreiben.

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Die Ansätze von „Tieffliegende Liebe“ fand ich gut: eine junge Frau, die aus ihrem gesellschaftlich anerkannten Leben katapultiert wird, sich kurz schüttelt um dann eine Rolle zu übernehmen, die sie nach anfänglichen Schwierigkeiten mit Power und Charme meistert. Aber in Wirklichkeit meistert sie kaum etwas aus eigener Kraft, sondern nur durch die Hilfe von Anderen und dank etwas auffällig konstruierten Zufällen.

In einigen Punkten konnte ich mich gut mit Fritzi identifizieren, denn wir beide haben keine Ahnung von Mode, keinen blassen Schimmer von Kindererziehung und sind ausgezeichnet in Planlosigkeit. Aber auf der anderen Seite wollte ich Fritzi ein paar Mal schütteln. In vielen Situationen ist sie hoffnungslos naiv, blind und unselbstständig. Sie sucht lieber die Ursachen für ihre Missgeschicke bei anderen und schaut jammernd dabei zu wie sich die Situation selbst heilt.

Was Fritzi allerdings wieder extrem sympathisch gemacht hat, waren ihre geistigen Ausflüge ins Ninja-Prinzessinnen-Land. Ich wünschte, Fritzi würde die echte Heldin viel öfter in sich entdecken.  Auch die Notizen an sich selbst, die sich als Fussnoten durch das ganze Buch ziehen, fand ich eine gelungene Idee, denn es unterstreicht zusätzlich die weitgefächerte Gedankenwelt und das ständige Neben-dem-Hauptweg-Laufen.  Und ganz nebenbei erweitert der Leser sein Allgemeinwissen. Bis zum Ende habe ich aber leider die Idee hinter Status P und Status p nicht verstanden.

Mich hat gestört, dass es zu viele Leute im Buch gibt, die mehr oder weniger die Szenerie begleiten, aber statt Fritzi eine Unterstützung oder ein Fels in der Brandung zu sein eher noch mehr Chaos produzieren. Als Leser wusste ich teilweise nicht mehr, welcher Typ da nun gerade welche Rolle spielt.

Das Ende des Buchs mochte ich leider nicht. Es wirkte wie: „schnell noch eine Katastrophe einbasteln und dann rasch die letzten Seiten füllen, damit es irgendwie doch noch in die Liebesromanecke passt“.

Wiederum recht gelungen fand ich den Ansatz des Buchs im Buch…

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Fritzi springt auf den Hype auf und schreibt als Protagonistin selbst ein Buch. Ein Hassbuch. Sie setzt ihren Frust kreativ um, was für sie eine sehr gute Methode der Psychohygiene ist. Zuerst dachte ich, dass man zum Verständnis des Hassbuches erst Fritzi  kennenlernen muss, aber nach der Lektüre kann ich berichten, dass sich „Stänkern über Blond“ sehr gut als eigenständige Lektüre präsentiert. Fragen, wieso Blondinen bevorzugt werden, ob Blondinen auch alleine zurechtkommen würden oder wie Heidi Klum zu „weltweitem Rum“ gelangte, werden mit viel Humor, aber auch wissenschaftlichen Ausflügen ergründet. Aber am Ende ist es dann irgendwie doch kein Hassbuch, sondern eher eine humorige Sammlung verschiedener Denkansätzen, Theorien und Thesen zum Thema, die mich des Öfteren schmunzeln ließen. Alles in allem war das Buch für mich strukturierter, mit blondem Faden und einem stetigen Witz.

Auch wenn ich in meinen Ausführungen viel über Fritzi und ihr Chaos gestänkert habe, so darf ich doch mit gutem Gewissen behaupten, dass Fritzi mir im Gedächtnis bleiben wird, denn sie ist insofern eine besondere Heldin, da sie sich eben durch ihre völlige Verplantheit sehr von den üblichen Liebesromanchicas abhebt.

Allerdings wünsche ich Fritzi auch von Herzen, dass sie in ihrem nächsten Abenteuer mehr sie selbst ist und ihre chaotischen Kräfte besser umsetzt.

Obwohl ich in meinem Urteil so hin-und hergerissen bin, möchte ich doch den Mut und Ehrgeiz der Autorin in meiner Bewertung nicht außer Acht lassen. Selfpublishing in einer von rosa Romanen überschwemmten Welt erfordert jede Menge Stolz oder Wahnsinn. Aber gerade WEIL sich der Inhalt der Bücher vom HappyPusteblumenKitsch abgrenzt, vergebe ich für beide Bücher eine Gesamtnote von 4 Ninjasternen!!!

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