„Affenbruder“ von Kenneth Opel

„Affenbruder“ ist ein Jugendroman von Kenneth Oppel, 2015 bei Beltz+ Gelberg erschienen.

In den 1970ern steht die Wissenschaft vor der Frage, ob Schimpansen die menschliche Sprache erlernen können. Für ein Experiment der amerikanischen Universität wird ein Schimpansenbaby von seiner Mutter geraubt und soll wie ein Menschenbaby in einer Familie aufwachsen und sich dort die Zeichensprache aneignen.
Professor Tomlin, ein renommierter Verhaltenspsychologe, seine Frau, die für ihre Doktorarbeit forscht und deren Teenager-Sohn Ben nehmen Zan bei sich auf. Anfangs liegt der Großteil der Verantwortung bei Ben‘s Mum, die Zan wie einen menschlichen Säugling versorgt. Nach einiger Zeit bekommt sie viel Unterstützung von Studenten und auch Ben gewöhnt sich nach und nach an das neue Familienmitglied.
Mit viel Aufwand und Zuneigung erlernt Zan in 1,5 Jahren die wichtigsten Zeichen um seine Grundbedürfnisse zu äußern, aber er wird auch zusehends stärker und charakterfest. Aus wissenschaftlicher Sicht lernt er zu wenig und zu langsam und wird zunehmend zu einer Gefahr, also droht das Projekt zu scheitern… Zan soll an andere Projekte weiterverkauft werden. Doch Ben kämpft um seinen „kleinen Bruder“.

Das Cover in gelb-rot-schwarz zieht die Blicke auf sich und verkündet mit einfachen Symbolen um was es im Buch geht. Der Schreibstil des Autors ist hervorragend. Er versteht es nicht nur Spannung aufzubauen, sondern auch echte Herzstillstandmomente zu entwickeln. Aber er hat auch den Dreh raus mit großen Emotionen die Vernunft und Logik außer Kraft zu setzen.
Die Charaktere sind perfekt herausgearbeitet, man entwickelt schnell Sym-und Antipathien. Aber alle wichtigen Persönlichkeiten durchlaufen während der Handlung eine Entwicklung, sodass der Leser seinen ersten Eindruck überdenken muss.

Aus meiner Sicht wäre es eine ideale Schullektüre, denn es umfasst viele Themen: Der Autor setzt sich kritisch mit Tierversuchen, Naturverständnis, Erwachsenwerden, Generationenkonflikten, Machtverhältnissen und Freundschaft auseinander. Nicht nur jugendliche Leser erhalten zahlreiche Denkansätze und lernen nebenbei sehr viel über Biologie. Aber nicht nur wissenschaftlich ist dieses Buch hochinteressant, sondern spricht auch die emotionale Intelligenz an.

Ich habe während des Lesens Rotz und Wasser geheult, weil die Verbindung zwischen Ben und Zan so tief, so berührend, so ergreifend geschildert ist. In vielen Situationen benötigt der Autor keine Worte, sondern nur eine einzige Handbewegung der Protagonisten um die ganz großen Gefühle darzustellen. Einzig die Geschichte der ersten jugendlichen Schwärmerei hat mich persönlich wenig berührt, aber vielleicht kann ich mich mit 35 Jahren einfach nicht mehr in die Teeniewelt einfühlen.

Das Buch spielt vor dem Hintergrund tatsächlich durchgeführter Experimente, ist aber dennoch aktueller denn je. Denn es gibt auch heute noch Tierversuche, es gibt auch heute noch enge Beziehungen zwischen Tier und Mensch und auch heute hat der Mensch noch nicht begriffen, dass nicht er der Nabel der Welt ist, sondern die Natur viel stärker ist.

Das Buch bekommt von mir volle Punktzahl, denn es ist nicht nur ein gut aufgebauter Roman, sondern auch ein geeignetes Lehrbuch, sowie eine Sammlung toller Denkanstöße und großer Gefühle.

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