„In einem Land vor meiner Zeit“ – Ina Raki

„In einem Land vor meiner Zeit“ von Ina Raki, erschienen 2012 im Aufbau Verlag ist die Geschichte der 14-jährigen Alina aus Bayern, die sich plötzlich im Jahr 1984 mitten in der DDR – Jugend ihrer Mutter Antje wiederfindet.

Alina bekommt vor ihrem 14. Geburtstag die Tagebücher ihrer Mutter um darin herumzustöbern, den Großteil der Gedanken, Gefühle und Geheimnisse kann sie aber nicht nachvollziehen. In der Nacht vor ihrem Geburtstag schläft sie grübelnd ein und erwacht morgens im Kinderzimmer als Antje… Nun erlebt Alina hautnah wie Antje ihr Leben als Jugendliche in der DDR verbracht hat: Niethose und Nicki, Broiler und Bemme, Pionier und Patenbrigade, Leistungskontrollen und Lenin, Jugendweihe und Jägerschnitzel…

Nach und nach lernt Alina als Antje, was es bedeutet in der DDR aufgewachsen zu sein und wie man mit den wenigen Mitteln trotzdem über die Runden gekommen ist. Aber sie lernt auch die politischen Seiten des Staates kennen, dass es unbequem wurde, wenn man sich nicht angepasst hat und dass die Gedanken eben nicht frei waren. Vorallem aber lernt sie neben den ganzen geschichtlichen Aspekten auch die Geschichte ihrer Familie kennen und wieso ihre Verwandten genau so geworden sind, wie sie sind.

Ina Raki ist es gelungen ein Jugendbuch mit einem modernen Geschichtsbuch zu verbinden. Leser, die eine DDR-Vergangenheit haben, werden in Erinnerungen schwelgen und mit dem heutigen Wissen viele Dinge nochmal überdenken. Lesern ohne diese Erfahrung wird ein klarer Eindruck vermittelt wie ein Leben in der DDR war und wieso „gelernte DDR-Bürger“ immer ein Stück weit ein anderer Typ Mensch bleiben.

Die Buchgestaltung ist sehr gut gelungen: Das Cover ist bunt, fröhlich, jugendlich und zeigt dem Leser dass es um vergangene Zeiten geht, die trotzallem nicht grau und langweilig waren. Der Klappentext ist passend und verrät weder zu viel noch zu wenig. Die Kapitel sind in Tagebuchform und mit verschiedenen Schriftarten gestaltet, was das Buch sehr auflockert und ihm seinen Charme verleiht. Im Anhang findet sich ein kleiner Dolmetscher: DDR-DEUTSCH – Heutiges Deutsch.

Ich hatte viel Spaß mit dem Buch. Da ich selbst in Sachsen aufgewachsen bin, fand ich viele Dinge aus meiner Kindheit im Buch wieder. Beim Mauerfall war ich 9, hab also beim Lesen selbst viel gelernt, z.B. wie das Leben der Jugendlichen und Erwachsenen in der DDR war.

Besonders gut hat mir Alinas Entwicklung während ihrer Zeitreise gefallen. Anfangs war sie eine oberflächliche, konsumgierige, arrogante Göre, lernte aber jede Menge dazu und wandelte sich in eine Person, die die kleinen Dinge, Dankbarkeit und ihre Freiheit zu schätzen lernte.

Das Buch verdient volle Punktzahl. Ich würde es uneingeschränkt allen Altersklassen empfehlen, denn ob jung oder alt, Ossi oder Wessi… jeder kann in diesem Buch noch was lernen und seinen Horizont erweitern. Gerne würde ich es als Schullektüre empfehlen, denn besser kann man als Jugendlicher nicht an dieses Thema herangeführt werden!!!

Vielen Dank an Ina Raki, dass sie viel Liebe und Erinnerungen in dieses Buch gesteckt hat und großen Respekt für ein derartig gut gelungenes Debüt!!! Ich freu mich sehr in Zukunft mehr von ihr zu lesen!!!

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